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Haiku 02
Baumpatenschaft


Baumpatenschaft
Ich erzähle ihm
von meinen Zweifeln
Dieses Bild ist Teil meiner fotografischen Haiku-Serie, die während meines Photography-Studiums entstanden ist. Für das Projekt wollte ich die kurzen Gedichte nicht einfach nur fotografisch darstellen, sondern herausfinden, wie sich ein Haiku in eine eigene Bildwelt übersetzen lässt. Dabei ging es mir vor allem um die Verbindung von Mensch und Natur.
Das Haiku Baumpatenschaft hat mich dabei besonders angesprochen, weil hinter den wenigen Worten eine ziemlich große Geschichte steckt. Es geht um einen Baum, dem jemand seine Zweifel anvertraut. Dadurch wird der Baum nicht einfach zu einem Teil der Landschaft, sondern zu einer Art Gegenüber – jemandem, der zuhört, Halt gibt und einfach da ist.
Ein Baum als Pate
Die Idee für das Bild entstand aus dem Begriff Baumpatenschaft. Dabei habe ich den Baum bewusst mit der Vorstellung eines menschlichen Paten verbunden.
Ein Pate ist traditionell jemand, der einen Menschen begleitet, für ihn da ist und ihn durch verschiedene Situationen im Leben unterstützt. Genau diese Rolle übernimmt in meinem Bild der Baum.
Seine "Arme" reichen in die Richtung der Person. Er ist nicht einfach nur Hintergrund, sondern bekommt eine beschützende und unterstützende Rolle.
Die Arme des Baumes sind dabei tatsächlich fotografierte menschliche Arme. Sie wurden von mir bewusst als Teil der Bildidee inszeniert und anschließend in Photoshop in die Aufnahme integriert. Es handelt sich also nicht um ein KI-generiertes Bild, sondern um eine klassische fotografische Montage. Ich habe verschiedene Aufnahmen und Möglichkeiten ausprobiert und schließlich die Variante ausgewählt, die für mich am besten zur Bildidee und zur Haltung der Person gepasst hat.
Die Person wiederum befindet sich in einer Situation des Zweifels. Sie erzählt dem Baum von ihren Gedanken und Sorgen – und bekommt darauf keine klassische Antwort. Stattdessen vermittelt allein seine Anwesenheit ein Gefühl von Sicherheit.
Vielleicht ist genau das auch das Schöne an solchen Orten in der Natur: Man muss nicht immer eine Lösung bekommen. Manchmal reicht es schon, irgendwo mit seinen Gedanken sein zu können.
von Anke Holtz
Die kleinen Details erzählen die Geschichte
Bei der Umsetzung waren deshalb auch die kleinen Elemente wichtig.
Am Baum hängt ein altes, schiefes Schild. Darauf befindet sich eine Botschaft, die sinngemäß dazu auffordert, sich keine Sorgen zu machen und wieder zu lächeln. Dass das Schild schief hängt und bereits verwittert aussieht, war dabei kein Zufall. Es soll zeigen, dass der Baum schon sehr alt ist und vermutlich schon sehr viel „erlebt“ hat.
Dadurch bekommt er fast eine eigene Persönlichkeit. Er wirkt wie jemand, der schon viele Geschichten kennt und deshalb auch mit den Zweifeln der Person umgehen kann.
Die Bewegung der Person bildet dazu einen bewussten Kontrast. Sie wirkt nicht mehr vollkommen in ihren Gedanken gefangen, sondern scheint sich langsam aus diesem Zustand herauszubewegen. Die Drehung des Kopfes steht dabei für einen kleinen emotionalen Wandel: weg vom Zweifel und hin zu mehr Klarheit.
Es ist also nicht unbedingt der Baum, der das Problem löst. Vielmehr gibt er der Person den Raum und den Halt, die Gedanken loszulassen und anschließend wieder nach vorne zu schauen.
Was ich ursprünglich geplant hatte..
Bei der Entwicklung des Bildes gab es mehrere Ideen.
Eine davon zeigte die Person mit einer Gießkanne. Damit wollte ich Fürsorge darstellen – allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die Person kümmert sich um den Baum, gießt ihn und sorgt dafür, dass er weiter wächst.
Auch ein großes Blatt war Teil dieses Konzepts. Es sollte die Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme der Person gegenüber dem Baum symbolisieren.
Letztendlich habe ich diese Idee aber verworfen. Denn das Haiku erzählt für mich nicht davon, dass die Person für den Baum sorgt. Es erzählt davon, dass der Baum für die Person da ist. Die Richtung der Fürsorge sollte deshalb im finalen Bild umgedreht werden.
Eine weitere Idee zeigte die Person gemeinsam mit dem Baum in einer vertrauteren, fast kindlichen Situation. Die Person sollte den Erwachsenen an der Hand nehmen und ihm etwas zeigen. Die Szene wirkte allerdings zu fröhlich und neugierig und passte dadurch nicht zu dem Gefühl von Zweifel, das im Haiku steckt. Auch diese Variante habe ich deshalb nicht weiterverfolgt.




Zwischen Zweifel und Zuversicht
Genau diese Mischung war mir bei der finalen Umsetzung wichtig: Das Bild sollte nicht einfach traurig wirken.
Der Ausgangspunkt ist zwar ein Gefühl von Unsicherheit und Zweifel, aber die Geschichte endet nicht dort. Durch die Verbindung zwischen Mensch und Baum entsteht vielmehr ein Gefühl von Zuversicht.
Die Natur wird dabei zu einem Ort, an dem die Person ihre Gedanken sortieren kann. Der Baum steht für Beständigkeit. Er bleibt stehen, während sich die Gedanken der Person verändern.
Das fand ich an diesem Haiku besonders spannend: Drei kurze Zeilen können eine komplette Beziehung entstehen lassen. Jemand hat Zweifel. Jemand hört zu. Und vielleicht ist danach nicht alles gelöst – aber es fühlt sich ein kleines bisschen leichter an.
Warum dieses Bild für mich besonders ist ...
Genau diese Mischung war mir bei der finalen Umsetzung wichtig: Das Bild sollte nicht
einfach traurig wirken.
Der Ausgangspunkt ist zwar ein Gefühl von Unsicherheit und Zweifel, aber die Geschichte endet nicht dort. Durch die Verbindung zwischen Mensch und Baum entsteht vielmehr ein Gefühl von Zuversicht.
Die Natur wird dabei zu einem Ort, an dem die Person ihre Gedanken sortieren kann. Der Baum steht für Beständigkeit. Er bleibt stehen, während sich die Gedanken der Person verändern.
Das fand ich an diesem Haiku besonders spannend: Drei kurze Zeilen können eine komplette Beziehung entstehen lassen. Jemand hat Zweifel. Jemand hört zu. Und vielleicht ist danach nicht alles gelöst – aber es fühlt sich ein kleines bisschen leichter an.
